»Anne Frank – eine Geschichte für heute« in Gefängnissen
In Gefängnissen in ganz Deutschland zeigt das Berliner Anne Frank Zentrum die Wanderausstellung »Anne Frank - eine Geschichte für heute«. Die Ausstellung erzählt auf 35 Tafeln Anne Franks Lebensgeschichte und verknüpft sie mit historischen Ereignissen. Außerdem schlägt die Ausstellung Brücken zu Diskriminierung heute und zur Wichtigkeit von Menschenrechten. Sie ist mit vielen Fotos und kurzen Texten ansprechend gestaltet. Eine Eröffnungsfeier, Zeitzeugengespräche, Filmvorführungen oder Workshops können die etwa zweiwöchige Präsentation begleiten.
Mit der Ausstellung wird den Gefangenen ein Angebot der historisch-politischen Bildung gemacht. Oft finden Gefangene in Anne Franks Tagebuch Gefühle und Gedanken wieder, die sie aus eigener Erfahrung kennen. Die Präsentation fördert die Kommunikation über gesellschaftliche Themen, schließt Wissenslücken zur Zeit des Nationalsozialismus und zur Judenverfolgung. Damit korrigiert sie auch geschichtsverfälschende und rechtsextreme Darstellungen. Der Justizvollzugsanstalt bietet die Ausstellung die Möglichkeit, sich nach außen zu öffnen und Vorurteile abzubauen.
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Beteiligung der Gefängnisinsassen: 10 bis 15 Gefangene werden zu Guides ausgebildet, um Mitgefangene und Gäste durch die Ausstellung zu begleiten. Sie beschäftigen sich besonders intensiv mit dem Thema, schulen ihre kommunikativen Fähigkeiten und machen die Erfahrung, nicht nur als Gefangene, sondern als Experten für ein Thema wahrgenommen zu werden.
Bisher war die Ausstellung in Brandenburg, Wriezen, Neuruppin-Wulkow, Neustrelitz, Iserlohn, Hövelhof, Heinsberg und Herford zu sehen. Die Tournee der Ausstellung »Anne Frank - eine Geschichte für heute« durch deutsche Gefängnisse soll weitergehen. Informationen zur Organisation und Finanzierung schicken wir Ihnen gerne zu.
Die Idee für das Gefängnisprojekt stammt vom Anne Frank Trust aus London. Die Produktion der Ausstellung wurde durch das Bundesministerium für Justiz und die Bundeszentrale für politische Bildung finanziell getragen.
Ein weiteres Tagebuch-Projekt entwickelte das Anne Frank Center in den USA (Text auf Englisch): Prison Diary Program

