Anne Frank und die DDR.
Politische Deutungen – persönliche Lesarten
Im Herbst 1957 erschien Das Tagebuch der Anne Frank erstmals in der DDR. Im Juni 2006 wurde ein Exemplar dieses Buches durch Rechtsextremisten in Sachsen-Anhalt öffentlich verbrannt. Dies warf brisante Fragen nach seiner Bedeutung in Ostdeutschland auf: Wie bekannt war Anne Franks Tagebuch in der DDR? Welche Rolle spielte die Lebensgeschichte seiner Verfasserin? Wie wurden Buch und Lebensgeschichte gedeutet? Zu diesen Fragen entwickelte das Anne Frank Zentrum eine Ausstellung.
Anne Franks Lebensgeschichte wurde in der DDR politisch instrumentalisiert. Während des Kalten Krieges wurde der Bundesrepublik vorgeworfen, dort seien die »Mörder Anne Franks« immer noch in hohen Funktionen. Auch nach dem Beginn der Entspannungspolitik in den 1970er Jahren war es kaum möglich, in der DDR öffentlich über das Tagebuch der Anne Frank zu sprechen, ohne auf Neofaschismus und Antisemitismus in der BRD hinzuweisen.
Zugleich lasen viele Menschen in der DDR privat das Tagebuch und sahen das Theaterstück. Für die meisten von ihnen standen nicht die offiziellen Deutungen im Vordergrund, sondern die persönliche Geschichte des Mädchens Anne Frank. Durch sie bekam der Massenmord an den Juden ein Gesicht, das vielfach nachhaltigen Eindruck hinterließ.
Die Ausstellung »Anne Frank und die DDR. Politische Deutungen und Persönliche Lesarten« stellt folgende Themen anschaulich dar:
- Das Tagebuch der Anne Frank auf den Bühnen der DDR
- Die DDR-Lizenzausgabe 1957 und erste öffentliche Stimmen
- Eine Lebensgeschichte als Propagandamittel im Kalten Krieg
- Anne-Frank-Namensgebungen öffentlicher Einrichtungen
- Lin Jaldatis künstlerisches Anne-Frank-Programm
- Briefe aus der DDR an Otto Frank - Lektüren aus vier Jahrzehnten
- Anne Frank in den Medien der DDR: Presse, Rundfunk, Fernsehen
- Zur Ausstellung »Die Welt der Anne Frank« in Ostberlin 1989
Neben vielen Funden aus öffentlichen und privaten Archiven zeigt sie Bild-, Film- und Tondokumente sowie zahlreiche Objekte. Begleitend zur Ausstellung erschien 2009 im Ch. Links Verlag das gleichnamige Buch von Sylke Kirschnick.





