Anne Frank Prison Project
2002 wurde das Anne Frank Prison Project vom Anne Frank Trust London gegründet und war seitdem in über 40 Institutionen Großbritanniens zu Besuch. Das Ausstellungsprojekt in den Gefängnissen bildet Gefangene als Guides aus und präsentiert eine Ausstellung über Anne Frank für Besucherinnen und Besucher, Mitgefangene, Mitarbeitende und eingeladene Gäste. Es ist Vorbild für die Tournee der Ausstellung »Anne Frank – eine Geschichte für heute« durch deutsche Gefängnisse.
Für die Insassen ist die Zeit als Guide eine gute Möglichkeit der Entwicklung: sie erhalten Kenntnisse zum Nationalsozialismus und zur Judenverfolgung und lernen als Mentoren zu agieren. Sie entfalten dabei neue Fähigkeiten in Kommunikation, Selbstdisziplin und das Vermögen sich Wissen anzueignen. Dabei entwickeln sie Zusammenhänge zwischen der Vergangenheit und der Behandlung von Minderheiten heute. Die Ausbildung der Guides und ihre Führungen durch die Ausstellung sind die zentralen Elemente des Projekts.
Das Projekt richtet sich gegen Hass und Diskriminierung und fördert Verantwortungsbewusstsein und Respekt für die Mitmenschen. Unter anderem besuchen auch Schulklassen die Ausstellungen. Dabei agieren die Insassen als Mentoren für die Schulkinder. Dies ist ein besonderes Erlebnis für die Kinder, da sie meist zum ersten Mal in einem Gefängnis sind. Sie lernen, die Insassen in einem positiven Licht zu sehen. Für die Guides ist es eine besondere Erfahrung junge Menschen über die Gefahren von Hass und Gewalt aufzuklären.
Viele der Gefangenen haben schwere Fehler begangen, aber sie verdienen eine zweite Chance. Deshalb bekommen sie die Möglichkeit aus ihren Erfahrungen zu lernen und später die richtigen Entscheidungen zu treffen. Mit den Kenntnissen aus dem Projekt erlernen sie Fähigkeiten, die ihnen helfen sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Sie befassen sich intensiv mit historisch-politischen Themen und werden von den Besucherinnen und Besuchern als Experten zu diesem Themenbereich wahrgenommen.
Ein bemerkenswerter Programmpunkt ist der »creative writing workshop « mit der Schriftstellerin und Filmemacherin Leah Thorn. Sie schafft für die Gefangenen ein kreatives Umfeld, in dem diese ihre Gefühle und Gedanken teilen und niederschreiben können. Ohne gezwungene Gespräche, aber mit Verständnis und Anerkennung inspiriert sie zum Schreiben. Besonders stolz sind die Initiatoren des Projekts und des Workshops, dass eines ihrer Gedichte 2007 den Sir John Cass Award gewonnen hat.
Der Abschluss des Ausstellungsprojekts ist eine Feier auf der die Ergebnisse des Workshops vorgestellt werden. Oftmals nehmen daran auch ein Zeitzeuge oder ein Gastredner teil. Die Guides erhalten auf dieser Veranstaltung ihre Zertifikate und Bücher als Erinnerungsstücke und Anerkennung für ihre Arbeit. Außerdem werden lokale Politiker und Vertreter der Presse eingeladen, um über das Anne Frank Prison Project zu berichten.
Steve Gadd, der Prison Project Manager berichtet:
»Many guides know very little about Anne Frank, the history of the Second World War or the Holocaust before embarking on this project. I get a great deal of satisfaction when the guides start to make their own connections between what went on during the Nazi era and how these issues still relate to the present day.«
(»Viele Guides wissen sehr wenig über Anne Frank, die Geschichte des Zweiten Weltkrieges oder den Holocaust, bevor sie an dem Projekt teilnehmen. Es erfüllt mich, wenn die Guides beginnen eigene Verknüpfungen zwischen den Geschehnissen während des Nationalsozialismus und aktuellen Problemen herzustellen.«)
Auch die Guides sprechen über ihre positiven Erfahrungen und Eindrücke:
Lee, Prisoner (lifer) at HMP Woodhill (also volunteer guide) - (Gefängnisinsasse und freiwilliger Begleiter in HMP Woodhill):
»I have been in prison for the last 5 years and have never seen anything like this event in all that time. This is really good!«
(»Ich war die letzten 5 Jahre im Gefängnis und habe in der ganzen Zeit kein Ereignis erlebt, wie dieses. Das ist wirklich gut!«)
Jonathon Wilson Prisoner and guide at HMYOI Castington (Gefängnisinsasse und Guide in HMYIO Castington):
»As an exhibition guide, I learned a great deal, as it was a controlled and very relaxed situation.
Reading Anne Frank’s Diary has changed me. It has made me realise how much things have changed since WW2 and it tells me that life can always improve and get better.«
(»Als Ausstellungsbegleiter lernte ich sehr viel, es war eine geregelte und sehr entspannte Situation. Das Lesen von Anne Franks Tagebuch hat mich verändert. So habe ich verstanden wie sich die Dinge seit dem 2. Weltkrieg verändert haben und es hat mir gezeigt, dass das Leben sich immer verbessert und besser werden kann.«)
Mr. Snow prisoner C wing HMP Wakefield commenting on the »Free 2 Choose« programme, piloted for the first time there in Oct 2007 - (Gefängnisinsasse in HMP Wakefield erläutert während des »Free 2 Choose«-Programms, erstmals durchgeführt im Oktober 2007):
»Having been in prison now for 17 years I found some long needed intellectual stimulation, and found it easy to build up a rapport with peers and enjoyed the spontaneity that manifested itself in some debate, and learned in a way that is not provided for in schools and conventional education.
We were a community and knew each other’s names – what a constructive way to pass the time – this is not just a personal opinion it is the general conclusion of the participants.«
(»Ich bin jetzt seit 17 Jahren im Gefängnis und fand nun die schon lang ersehnte geistige Anregung. Ich fand es leicht eine enge Beziehung mit den Kollegen aufzubauen und genoss die Spontanität, welche sich in einigen Debatten ergab. Ich lernte auf einem Weg, welcher in Schulen und der konventionellen Bildung nicht vorgesehen ist.
Wir waren eine Gemeinschaft und wussten die Namen der Anderen – was für ein konstruktiver Weg seine Zeit zu verbringen – das ist nicht nur meine persönliche Meinung, sondern das allgemeine Fazit der Teilnehmenden.«)
Weitere Informationen finden Sie auch auf der Internetseite des Anne Frank Trust.




